Bericht über die Reise zur Partnergemeinde Fardella in Süditalien von Alexandra Skupien

 

Sonntag, 20. April 2003

 

Treffen an der Bushaltestelle. Der Bus soll um 4:30 Uhr abfahren. Von verschlafenen Gesichtern keine Spur, aber Aufgeregtheit ist den meisten anzumerken. Pünktlich kommt der Bus. Eine fehlt, warten sinnlos, wir fahren los.

In Tegel gespanntes Warten – wann geht es los. Der Flieger sorgt für mulmige Gefühle bei den Erstfliegern und für Belustigung bei den alten „Flughasen“. Ein kleines Maschinchen (ca.60 Sitze) soll unsere erste Etappe nach Mailand bestreiten. Klappt natürlich alles wunderbar. Der Flug ist toll, bei den Ersten machen sich Ohrenschmerzen bemerkbar.

Flughafen Mailand.

Ein großer Flughafen, der unsere Raucher zum Verzweifeln bringt – überall Rauchverbot.

Nach kurzer Nachfrage im Büro der Lufthansa erfahren wir, dass das rauchen überall verboten ist, aber auf den Toiletten wird schon mal ein Auge zugedrückt. Na also.

Weiterflug nach Neapel, diesmal mit großem Flieger. Leider ist es ziemlich bewölkt, aber beim Anflug auf Neapel ist die Sicht gut. Warten auf Koffer und Taschen, meine Tasche ist natürlich ein bisschen kaputt.

Stürmische Begrüßung mit alten Freunden. Claudia, Gianluca und Mariangela kannten wir schon aus dem letzten Jahr und die Freude war groß, als wir uns wieder sahen. Claudias Schwester Stephanie und Mariangela’s  Mann standen auch zu unserer Begrüßung bereit. Auch unseren Busfahrer sahen wir das erste Mal. Später wurde in mir der Verdacht wach, der Mann wäre mit dem Bus verwachsen. Immer wenn wir unterwegs waren, war er der Fahrer. Außer am Abreisetag.

Jan fiel erst mal fast über die mitgebrachte Fahne, die er zur Begrüßung schwenkte.

Dann ging es los in Richtung Fardella. Durch Neapel, vorbei am Vesuv und dann ein kurzes Stück entlang an der Küste. Wir fahren mehrere Stunden, unterbrochen von einer Pause bei der es Brötchen gab die uns die vielen fleißigen Frauen aus Fardella gemacht hatten, die wir noch kennen lernen sollten und deren Kochkünste wir noch zu schätzen lernen sollten.

In Fardella angekommen, stürzten wir erst einmal in die „Alte Schule“ in der wir untergebracht waren. Betten und Schränke wurden hin und her getragen, ein als Getränkelager dienender Raum wurde leer geräumt, Schlüssel gesucht und gefunden, es wurde geräumt und geschoben bis alle zufriedenstellend untergebracht waren.

Extra für uns wurden neue Betten und Schränke gekauft sowie Kissen und Decken und riesengroße, himmlisch warme Steppdecken, die sich noch als sehr wichtig erwiesen, war es doch in den ersten Tagen ziemlich kalt und nass in Fardella das immerhin 800 Meter hoch liegt. Ich glaube es hat zwei Tage gedauert, eh alle begriffen hatten, wo genau sie zwischen die Decken krabbeln mussten.

Lustig war, dass Frau Kansy glaubte, in ihrem Zimmer würde eine Fensterscheibe fehlen. Der Irrtum war schnell geklärt, es war ein offenes Schiebefenster.

Nach dem Auspacken haben wir uns die nähere Umgebung angesehen, dabei entdeckten wir auch das gegenüberliegende Pub, in dem wir noch viel Spaß haben würden.

Am Abend wurden wir in eine Pizzeria eingeladen, wo wir lecker gegessen haben und erste Bekanntschaft mit dem Wein der Region machen durften. Ich muss gestehen, ich habe ihn immer nur verdünnt mit Wasser getrunken, er hätte mich sonst umgehauen. Ein sehr trockener Rotwein, der aber, so versicherte man uns, mit jedem Glas „süßer“ werden würde. Da sprachen die Kenner – und sie hatten Recht.

Nach dem Essen noch eine kleine Runde durch den Ort und dann zurück zur Schule.

Dort spielte vor dem Haus einige Einheimische Boccia, wir ließen es uns nicht nehmen zuzusehen und einige spielten gleich mit. Überhaupt steppte am Abend auf den Strassen der Bär. Alles was Beine hat trifft sich und flaniert die Straße auf und ab.

Vor den Fenstern unserer Mädchen war der  Teufel los, erst als zwei Tage später die Mädels in die oberen Räume zogen, entspannte sich die Lage.

 

Montag, 21. April 2003

 

8.00 Uhr Frühstück. Italienischer Zeit versteht sich. Daran haben wir uns die ganze Zeit nicht gewöhnt. Mit Pünktlichkeit hat man da verloren. Andererseits ist diese Gemütlichkeit beneidenswert.

Beim Frühstück die erste große Herausforderung für mich. Wie viel Milch muss ich in den Kaffee gießen, um nicht gleich umzufallen. Halb Kaffee, halb heiße Milch und Zucker geben eine Mischung die schmeckt.

Um 10:00 Uhr wollten wir eigentlich eine Exkursion durch den Park von Fardella machen und anschließend am See grillen. Es hat aber geregnet und so blieb uns erst einmal die Zeit, den Ort ein wenig zu erkunden. Die Jugendlichen haben in der Sportbar Tischfussball und an den Automaten gespielt oder haben auf eigene Faust den Ort ausgekundschaftet.

Direkt vor der Schule war das Pub, ein Stück weiter die Straße entlang die  Sportbar. Noch ein Stück weiter ein Tabakladen in dem wir gleich einen Cappuccino spendiert bekamen, gegenüber das „Kaffee Nuit“, hier haben wir nicht nur einmal fantastischen Cappuccino getrunken. Ein Supermarkt auf der gleichen Straßenseite wurde auch gleich erforscht, hier gab es Ansichtskarten. Und richtig tolle Makkaroni.

Am frühen Nachmittag wurde das Wetter dann ein bisschen freundlicher, so dass wir doch noch ein bisschen durch den Park stromern konnten. Mariangela immer vorn weg, erklärte uns, das auf dem Berg über Fardella eine Feriensiedlung entstehen soll. Die Grundmauern stehen schon und  wenn alles gut geht, kann man da im nächsten Jahr schon wohnen. Wieder runter vom Berg ging es dann an einen kleinen See, idyllisch gelegen mit Grillplatz und Sitzecke. Die ganz mutigen sind über den wasserzuführenden Bach gesprungen und ein bisschen in der Botanik rumgehüpft. Mariangela natürlich voran.

Zurück an der Schule wurden Stühle und Tische gerückt, der Grill aufgebaut und in der Küche gewirbelt. Wir brauchten uns nur noch setzen und wurden aufs üppigste gefüttert. Jeder der kam saß mit am Tisch, es wurde getrunken, gegessen und gelacht. Wir haben uns mit Händen und Füssen unterhalten. Es wurde ein feuchtfröhlicher Nachmittag in dessen Anschluss wir noch ins Pub gegangen sind.

Boccia haben wir dann auch noch gespielt. Wir waren uns einig, dass wir in Groß Machnow auch einen Platz zum Boccia spielen brauchen. Irgendwann sind wir dann ins Bett gefallen, voll von den Eindrücken des Tages und gespannt auf das noch Kommende.

 

Dienstag, 22.04.2003

 

Dieser Tag stand unter dem Motto der offiziellen Begrüßung unserer Delegation und der Vertiefung der städtepartnerschaftlichen Beziehungen. Alles was in der Basilicata Rang und Namen hat kam nach Fardella um an der Zeremonie teil zunehmen  Um 10:00 Uhr sollte es los gehen.... womit wir wieder bei der italienischen Zeit wären. Bolle und Marco hatten sich in ihre Feuerwehruniformen geschmissen und Mario hatte das Hemd der „Eintracht“ an. Um kurz nach elf, nachdem alle Offiziellen endlich da waren  zogen wir begleitet von einer Kapelle in Richtung Tribüne, die auf dem Platz vor der Kirche aufgebaut war. Als Fahnenträger fungierte Bolle, schnell war unsere Fahne an einer Standarte angebracht worden. Die Fahne von Deutschland hing zunächst verkehrt herum, der Irrtum wurde aber schnell behoben. Und wir hatten schon Angst, wir müssten im Handstand zur Tribüne laufen....puh.

Nach der Rede von Mariangela  hielt Birgitta ihre Rede. Sie hielt sie auf Italienisch, was natürlich sehr gut ankam bei den Einheimischen.

Die Kapelle spielte die Hymnen beider Staaten und unsere gesamte Gruppe wurde auf die Tribüne geholt. Birgitta und Mariangela verlasen noch einen „Verbrüderungseid“.

Die Vereine überreichten Geschenke an die Gemeinde Fardella

( Feuerwehrhelm, T-Shirts, Pokale und Broschüren). Wir bekamen im Gegenzug einen Schlüssel für die Gemeinde Fardella überreicht. Der Ministerpräsident der Basilicata hielt auch noch eine kurze Rede und hatte sich auch sofort begeistert eine der Broschüren über Groß Machnow gegriffen. Alles in Allem ein sehr feierlicher Akt an dessen Ende noch zwei Tauben frei gelassen wurden.

Das lokale Fernsehen war auch da und führte im Anschluss auch noch ein Interview mit Birgitta.

Zurück an der Schule hatten wir ein paar Minuten zum Verschnaufen, danach wurde in der neuen Schule ein großes Büffet eröffnet, auf dem Spezialitäten aus der Region serviert wurden, die die Einwohner von  Fardella gemacht hatten. Schon am Abend zuvor hatten die Ersten ihre Delikatessen gebracht und in der Küche gelagert. Unter anderem auch selbstgemachten Orangenlikör. Der war lecker.

Am Abend war dann noch eine Tanzveranstaltung in der Schule und am Ende saßen wir wieder alle im Pub.

 

Mittwoch, 23.April 2003

 

Am Mittwoch schon um 7:30 Uhr Frühstück. Dann Aufbruch in den Nationalpark „Parco nazionale dell Polino“. Kinder und Erwachsene aus Fardella begleiteten uns an diesem Tag. Der Berg (2248 m) sah zwar nah aus, aber um dorthin zu gelangen fährt man ewig, der Bus musste sich die Berge hoch und runter schrauben und am Ende auf einer ganz schmalen Bergstraße fahren, begleitet von der Naturschutzpolizei. Erster Halt war im Wald an einem Berghang den wir erreichten in dem wir durch den Schnee stapften. Am Berghang mit wunderbarem Blick in die Umgebung konnte man Steine mit Fossilien finden und Eidechsen bewundern. Die Luft war ganz schön dünn und die Sonne war, wenn sie schien gleich sehr heiß. Weiter ging es zu einer „Berghütte“ wo wir unser „Pranzo a sacco“, unsere mitgebrachten Brötchen verspeisten.

Die Männer von der Naturschutzpolizei erzählten uns von ihren Aufgaben, erklärten uns welche Tiere vorkommen, das auch Wolfe hier angesiedelt sind und vor kurzer Zeit auch Hirsche ausgesetzt wurden.

Eigentlich wollten wir von der Berghütte aus zum Panorama wandern, aber weil so viel Schnee auf dem Weg dorthin lag viel das aus.

In Begleitung der Naturschützer schraubten wir uns den Berg wieder hinab um nun zu einem Wald zu fahren in dem es einen Naturlehrpfad gab und es mit etwas Glück Hirsche zu sehen geben sollte. Wir wanderten also frohen Mutes los und waren begeistert von der Natur die uns da geboten wurde. Ich war ein bisschen an den Harz erinnert. Schroffe Felswände zwischen riesigen Bäumen, am Grund des Tales ein sprudelnder Bach mit grün gefärbten Steinen. Das Wasser kalt und klar, wohl der sauberste Fluss der Basilicata. Hier sollen der Fischotter und der Brillensalamander beheimatet sein.

Anja sorgte für Beifall, als sie beim Sprung über einen Graben auf dem Hintern landete. Nach langer Wanderung in deren Verlauf wir schon versucht haben uns einzureden der Bus würde hinter der nächsten Wegbiegung stehen und uns abholen, machten wir eine ausgedehnte Rast. Es stand nun die Entscheidung noch 3 Kilometer weiter, oder zurück zu laufen. Also nichts mit Bus..... Wir sind dann zurück gelaufen.

Wieder zurück in Fardella haben wir Abendbrot gegessen und danach war eine Theatervorstellung in der Schule. An der konnte ich leider nicht teilhaben, ich lag krank im Bett. Alle anderen aber waren begeistert.

Am Ende der Vorstellung verteilten die Kinder noch selbst gemachte T-Shirts mit verschiedenen Motiven der Städtepartnerschaft.

 

Donnerstag, 24.April 2003

 

6:00 Uhr !!! Frühstück.

Dieser Tag wurde der längste und anstrengendste der gesamten Reise. Wir wandelten auf den Spuren Friedrich II.

Zuerst Fahrt nach Lagopesole und Besichtigung der dortigen Burg.

Das Castello di Lagopesole sieht man schon von weitem, es thront in 829 Metern Höhe auf einem Hügel. Ein imposantes Bauwerk, dessen Errichtung schon im 8.Jh. nach Chr. begann.

Im Jahre 1242 begann Kaiser Friedrich II mit den Arbeiten zur Erweiterung des Schlosses.

Heute ist die Burg im Staatseigentum und wird als Aufbewahrungsmuseum der nach dem Erdbeben 1980 geretteten Wertstücke genutzt.

Weiterfahrt zu den zwei Seen von Monticchio, die sich in einem erloschenen Krater des Vulture befinden. Im Wald, in dominierender Lage über den Seen liegt die ehemalige Abtei San Michele, oder San’t Angelo del Venture. Sie war im 10.Jh. Ziel von Pilgerungen, ging dann an die Benediktiner und schließlich an die Kapuziner Mönche. In der Abtei ist eine Nische mit byzantinischen Fresken. Leider konnten wir nicht rein, es war keiner da.

Rings um die beiden Seen erstreckt sich ein beeindruckender riesiger Wald in dessen Gebiet sich das Naturreservat delle Grotticelle - dass zum Schutz eines Nachtschattenfalters gegründet wurde - befindet.

Unten am See haben wir erst mal eine Pause eingelegt, unser Prazo a Sacco verspeist und uns ausgeruht bis es weiter ging in Richtung  Melfi.

In Melfi besichtigten wir den Duomo. ( Dom Santa Maria Assunta)

Er hat barockes Aussehen, wurde aber mehrere Male von Erdbeben geschädigt und wieder aufgebaut. Nur der normannische Glockenturm; innen mit einem Fresko des 13. Jh. ist noch original erhalten. Der Legende nach ist der Architekt ums Leben gekommen als er auf dem Turm stehend das Versteck der Schatzkammer verraten wollte und heruntergestoßen wurde.

Dann zur Burg, dem normannischen Stauferschloss . Errichtet auf einer Anlage aus normannischer Zeit wurde es vom Staufer Friedrich II. erweitert und ausgebaut.

In den Räumen des Schlosses ist haute das Archäologische Nationalmuseum der Gegend von Melfi untergebracht, zu dessen bedeutendsten Funden der „Sarkophag von Rapolla“ zählt.

Wir waren total kaputt, aber es ging noch weiter zu einer Felsenkirche, die mich total begeistert hat. Eine völlig in den Stein gehauene Kirche mit Spitzbogenportal, das Kirchenschiff mit rechteckiger Apsis und kleiner Sakristei.

Das Bauwerk ist mit einem höchst sehenswerten Freskenzyklus aus dem 12. Jh. ausgemalt.

Früher diente die Kirche sogar mal als Schafstall. Nach der Entdeckung der Fresken wurde sie begehbar gemacht und die Farben aufgefrischt um die Bilder wieder erkennen zu können.

Dann ging es endlich nach Fardella zurück. Erst gegen 22:00 Uhr waren wir zurück und haben Abendbrot gegessen.

 

Freitag, 25.04.2003

 

Der Freitag stand ganz unter dem Motto Fardella.

Am Vormittag machten wir einen interessanten Rundgang durch Fardella, kommentiert von einem Historiker. Dabei wurde uns das innere der Kirche gezeigt und die Geschichte des Ortes erklärt. Wie erfuhren, wann und wie Fardella entstand, nämlich als „Ableger“ von Chiaromonte und das der Name „Fardella“ der Name einer Familie war, die sich hier angesiedelt hatte.

Viele Auswirkungen des Erdbebens von 1980 bekamen wir zu sehen und erfuhren, das erst jetzt, über zwanzig Jahre später, Geld vom Staat kommt um die Gebäude zu sanieren.

Der untere Teil des Ortes ist so gut wie leergezogen, alles hat sich weiter nach oben verlagert. Gianluca zeigte uns das Haus in dem er aufgewachsen ist. Reiche Familien hatten  „Paläste“, dass waren besonders große Häuser mit Innenhof und manchmal sogar einer eigenen Kapelle. Mit Hilfe der nun endlich fließenden Gelder soll vieles wieder rekonstruiert werden.

Am Nachmittag hatten wir die Wahl, entweder den Nachmittag frei zu gestalten oder uns das Panorama von Fardella anzusehen. Die meisten Jugendlichen blieben an der Schule und haben Fußball gespielt.

Wir sind dann in mehreren Autos zur Tischlerei und zu einem Steinmetz gefahren, haben uns die Produktionsräume angesehen und uns einiges erklären lassen.

Dann ging es zum Panorama. Eigentlich waren es ja drei Panoramen. Mariangela war im Polizeiauto unterwegs und ließ es sich nicht nehmen auch mal die Sirene anzuschmeißen.

Jan und ich waren so sehr ins Fotografieren vertieft, dass wir nicht merkten als es schon wieder weiter ging. Also schnell alles zusammengeklaubt und losgerannt. Gianluca erlaubte sich den spaß so zu tun, als führe er los und rief aus dem Fenster,: „Zu Fuß“ Diese beiden Worte waren von nun an in jedem zweiten Satz zu hören.

Weiter zum nächsten  und übernächsten Panorama. Oben angekommen erklärte uns Mariangela, wie weit das Gebiet von Fardella sich erstreckt – nämlich bis zum Montepollino – welche Aufgaben die Gemeinde im Naturpark hat und das es im Sommer immer wieder Brände gäbe. Diese würden auch gern mal absichtlich gelegt, jeder der löschen hilft, wird dafür bezahlt. Eine freiwillige Feuerwehr wie wir sie in Deutschland kennen, gibt es dort nicht.

Die gewundene Strasse nach unten fahrend kamen wir an einer Quelle mit angeblich heilender Wirkung für die Nieren vorbei. Also ran.

Dann  zurück nach Fardella.

Am Abend waren Jan, Birgitta und ich bei Gianlucas Vater in den Weinkeller eingeladen. Ein einmaliges Erlebnis. An diesem Abend hat er seinen Wein vom Jahr 2000 angestochen.

Dann noch ins Pub bis es zugemacht hat. Danach saßen wir noch zu sechst draußen vor der Schule, vorher hatten wir uns noch eine Flasche Wein aus der Küche geholt, wobei Frau Kansy mich furchtbar erschreckt hat. Die Carabinieri fuhren ein paar mal an der Schule vorbei, die hatten wohl Angst, dass uns einer klaut.

 

Samstag, 26.04.2003

 

Etwas verkatert mussten wir am Samstag schon um 6:00 Uhr frühstücken.

Wir sind an diesem Tag nach Matera gefahren, um uns die Sassi anzusehen.

In der normannischen und Stauferschen Periode siedelten sich hier, außerhalb der Stadtmauern in den Grotten Menschen an. Seit dem 13.Jh. hatte diese Ansiedlung den Namen Sassi. Im Laufe der Zeit führten Überbevölkerung und Nachlässigkeit der Behörden zum Verfall der Sassi und dazu, dass sie Zufluchtsort der  ärmsten Bevölkerung wurden und es zu unmenschlichen Lebensbedingungen kam. (15000 Personen lebten in 3300 Räumen, von denen zahlreiche nur in Tuffstein gegrabene Grotten waren)

Carlo Levi beschrieb in seinem Buch „Christus kam nur bis Eboli“ das unmenschliche Leben im Sassi und erreichte damit Parlamentsdebatten auf denen am Ende beschlossen wurde das Sassi zu räumen. 1952 wurde mit einem Sondererlass die Räumung beschlossen. Erst 1968 sind die letzten Bewohner ausgezogen. In den 80iger Jahren wurde beschlossen, 2000 Familien wieder anzusiedeln.

Dann haben wir noch einen kleinen Stadtbummel gemacht und den Rest des Tages am ionischen Meer am Strand von Metaponto verbracht.  Einige haben sogar gebadet.

Vor der Küste lagen vier Schiffe vor Anker, von denen mindestens eines zur Deutschen Marine gehörte.

 

Sonntag, 27.04.2003

 

Das Tüpfelchen auf dem i – Maratea. Wunderschön gelegen an der Küste des thyrrenischen

Meeres. Ein Ort mit einer wirklich einmaligen Uferstrecke. Die letzte Fahrt mit unserem angestammten Busfahrer. Erst ein bisschen shoppen in der kleinen Stadt, letzte Chance kleine Mitbringsel zu kaufen. Wunderschönes Wetter, strahlendblauer Himmel. Wir saßen in einem Straßenkaffee und haben die Sonne genossen.

Über uns, auf dem Gipfel  des San Biagio die riesengroße weiße Statue des Redentore (Erlösers) mit den ausgebreiteten Armen, die der Schutzpatron der Stadt ist. Sie sieht ins Landesinnere, beschützt die Stadt vor Feinden.

Anschließend an den Strand. Nicht wie in Metaponte ein Sandstrand, sondern ein natürlicher Steinstrand. Also nichts zum Barfuss laufen, sehr heiß. Aber trotzdem einfach wunderschön. Einige der Jugendlichen waren auch wieder im Wasser.

Die Eindrücke dieses Tages waren einfach überwältigend. Man sitzt am Strand und blickt aufs Meer und im Rücken erhebt sich ein Berg, der an das Materhorn erinnert.

Auch die Strasse an der Küste entlang.....einfach traumhaft. Eindrücke, die man nie vergisst.

Wieder zurück in Fardella haben wir noch den letzten Abend gemeinsam gemütlich im Pub verbracht, viel gelacht und getrunken und es waren nicht wenige traurig, das wir am nächsten Tag nach hause mussten.

 

Montag, 28.04.2003

 

Schon als es Frühstück gab, hatten viele ihr Gepäck schon verstaut. Aufregung machte sich breit, ein letztes Mal in den Supermarkt und noch leckere Salami und Makkaroni kaufen.

Viele haben sich die geschenkten T-Shirts angezogen – eine tolle Geste. Einige haben sich noch  „Autogramme“ aufs T-Shirt schreiben lassen. Bolle hat als Tafel für unsere Unterschriften gedient. Er hatte ein weißes Shirt an, auf dem wir alle unterschrieben und uns bedankt haben. Dieses Shirt haben wir Mariangela überreicht, als sie sich von uns verabschiedete, leider konnte sie nicht warten, bis der Bus kam.

Und der kam dann auch bald. Das heißt, es kam ein kleiner Bus und ein Transporter für das Gepäck. Der kleine Bus war echt ungemütlich und wir waren froh, dass es an den anderen Tagen immer ein großer war.

Nach der herzlichen Verabschiedung war es dann soweit, es ging Richtung Neapel und von dort dann in den Flieger nach Mailand und anschließend nach Berlin. Nach fast zwölfstündiger  Reise sind wir in Groß Machnow angekommen. Schön, wieder zu hause zu sein.

 

Ein großer Dank an alle Leute aus Fardella, die dazu beigetragen haben uns diese Woche so schön wie möglich zu gestalten.

Auch Claudia hat sich allergrößtes Lob verdient, hat sie doch jeden Tag dafür gesorgt, dass wir Verstanden und verstanden wurden.

Sie sitzt jetzt zu hause in Rom und lernt für eine Prüfung. Wir drücken die Daumen.

Ich habe in dieser Woche ein wunderschönes Land kennen gelernt. Die Herzlichkeit und Gastfreundlichkeit mit der man uns in Fardella aufgenommen hat war fantastisch. Land und Leute werden mir unvergessen bleiben und ich habe mir fest vorgenommen im nächsten Jahr meinen Urlaub dort mit meiner Familie  zu verbringen.

 

 

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