Groß Machnow

Der Ort Groß Machnow, 1375 erstmals urkundlich erwähnt, ist ein Ortsteil der Gemeinde Rangsdorf. Auf vorwiegend landwirtschaftlich genutzten 1600 ha leben hier circa 1300 Einwohner.

Groß Machnow verfügt über eine hervorragende Infrastruktur. Durch seine Nähe zur A10 und direkter Lage an der B96 sowie umsichtiger Planungen haben sich hier im Laufe der vergangenen 20 Jahre  ca. 100 kleine und große Gewerbebetriebe angesiedelt. Dadurch sind vor Ort sehr viele Arbeitsplätze entstanden. Das Südringcenter sorgt für eine umfassende Versorgung mit Gütern des täglichen Bedarfs, die Firma Bär & Ollenroth beschäftigt mehr als 100 Arbeitnehmer und ist zudem einer der größten Steuerzahler vor Ort, außerdem sind viele Handwerker vor Ort tätig.

Auch für junge Familien ist unser Dorf sehr  attraktiv. Angefangen von Kindergarten und Tagespflege über Grundschule, Hort und Jugendclub sowie eine Bibliothek und eine Mehrzweckhalle ist hier für die Kinder und Jugendlichen gesorgt. Die vielen ortsansässigen Vereine locken viele interessierte Kinder in eine sinnvolle Freizeitgestaltung.

Frank Kuhle

Ortsvorsteher Groß Machnow


Die Ortschronik von Groß Machnow

Der Ort Groß Machnow besitzt eine weitläufige Gutsanlage mit Park, die bei einer Durchfahrt dem aufmerksamen Betrachter auffällt. Manch Einer möchte Näheres darüber erfahren und legt einen Haltestopp an der Gaststätte „Zum Grünen Baum“ ein. Er erhält aber nicht nur Auskunft beim Wirt, er findet auch drei Broschüren über die Ortsgeschichte vor.

Im ersten Teil wird durch Gegenüberstellung alter und neuer Fotos belegt, wie sich der Ort verändert hat.

Über das Leben auf dem Bauernhof und die Entwicklung der Landwirtschaft nach dem 2. Weltkrieg wird im zweiten Teil der Ortschronik berichtet.

Die Veröffentlichung beider Teile in den Jahren 2002 und 2003 ermöglichte die Gemeinde Groß Machnow, deren Bürgermeister Herr Rocher die Idee zur Erarbeitung einer Dorfchronik hatte und dafür mich begeistern konnte.

Durch die Unterstützung der Geschichtswerkstatt des Kulturvereins, die finanzielle Hilfe der Gemeinde Rangsdorf und einiger Sponsoren erschien 2010 der dritte Teil der Ortsgeschichte. In ihm werden Lebens- und Arbeitsbedingungen auf dem Gutsgelände geschildert.

In Arbeit ist die vierte Broschüre, die das Lernen in der Schule und deren Entwicklung in den vergangenen 200 Jahren zum Inhalt hat.

Die alteingesessenen Dorfbewohner, die durch Erlebnisberichte und Bildmaterial mithalfen, die Ortschronik zu erstellen, haben Freude beim Lesen und Betrachten der Fotos, werden doch Erinnerungen geweckt. Für die Neu-Groß Machnower sind die drei Broschüren interessant. Sie helfen aber auch, im Ort heimisch zu werden.

Heidi Kansy

Ortschronistin


Ortschronik Teil 1
Ortschronik Teil 2
Ortschronik Teil 3
Die Broschüren können in der Gemeindeverwaltung Rangsdorf, in der Bibliothek und
 an vielen anderen Stellen in der Gemeinde für je 5€ pro Stück erworben werden.

Die Gemarkung von Groß Machnow setzt sich aus der Ortslage Groß Machnow, Theresenhof und Pramsdorf sowie den dazugehörigen Wald- und Feldflächen zusammen. Das entspricht ca. einer Fläche von 1600 ha, die überwiegend landwirtschaftlich genutzt wird. Die Gemarkung ist auch durch viele landschaftliche Besonderheiten geprägt. Unseren Ort erreichen Sie mit dem Auto über den Berliner Ring (A10) Ausfahrt Rangsdorf / Berlin-Tempelhof. Sie fahren dann auf die Bundesstraße 96 in Richtung Zossen / Baruth. Nach ca. 3km erreichen Sie dann Groß Machnow. 

Das Wappen von Groß Machnow zeigt eine Großtrappe, einen äußert seltenen Vogel, der in unserer Gemarkung noch bis vor einigen Jahren zu finden war. Darüber ist ein Schwert dargestellt. Letzteres ist Ausdruck der hohen und niederen Gerichtsbarkeit, die im Ort ausgeübt wurde.

 

Wappen von Groß Machnow

Die Geschichte von Groß Machnow

Erstmals 1375 im Landbuch Karls IV. als "Magna Machnow" erwähnt, war unser Ort als deutsches Kolonistendorf mit 80 Hufen und 33 Kossäten das größte im Teltow (Orte wie Mahlow und Blankenfelde waren der Herrschaft Groß Machnow zugeordnet). Es besaß zu dieser Zeit bereits eine Kirche, zwei Windmühlen und zwei Krüge. 
Die Gutsherrschaftlichen Rechte wechselten des Öfteren. Der Quelle nach fiel das Gut zunächst von Hans von Quitzow und Gericke von Arnim an den Landesherrn. Das war 1414 Burggraf Friedrich, erster Hohenzoller in der Mark. Er veräußerte das Dorf an einen Heintz Donner für 200 Schock böhmische Groschen. Letzterer verkaufte es 1443 dem kurfürstlichen Küchenmeister Ulrich Zeuschel mit Ober- und Niedergericht, Renten und Kirchlehn. Von dessen Sohn fiel es dann an den Kurfürsten zurück, der es einem Thomas Quast verpfändete.1494 erhielt es Georg Flantz, Hauptmann zu Zossen, für treue Dienste, wechselte dann noch dreimal den Besitzer, bevor es schließlich Ende des 17.Jh. der Freiherr Otto von Schlabrendorff erwarb, an den noch das kunstvolle Denkmal in
der Kirche erinnert. Noch zu dessen Lebzeiten interessierte sich König Friedrich Wilhelm I. für diesen Besitz, der es auch schließlich am Ende zäher Verhandlungen nach Schlabrendorffs Tod für 52.000 Taler von dessen Witwe erwarb und seiner Herrschaft Wusterhausen zuschlug. 
Dem König hatten es vor allem die Rebhühner und Fasanen, die zahlreich in der Gegend vorhanden waren aber auch extra aus aus dem ganzen Land und sogar Ostpreußen herbeigeholt wurden, angetan, denn er war, wie allgemein bekannt, ein passionierter Jäger.
Zu Beginn des 19.Jh. ging das Gut als Tilgung einer Schuld für Lieferungen an das preußische Heer in Höhe von 170.000 Taler an den Armeelieferanten Jean Simeon Coste, der das Gutshaus, wie wir es heute bewundern können, im Stil des Familienschlosses seiner Frau, die aus Südfrankreich stammte, erbauen ließ. Hiernach wurde der Besitz noch ein paar mal veräußert und verschenkt (einige Grabmale hinter der Kirche erinnern noch an Besitzer aus dieser Zeit), bis es schließlich durch Heirat in den Besitz der Familie von Schierstaedt kam, in welchem es bis zum Ende des 2. Weltkrieges blieb. 
Zum Gut Groß Machnow gehörten zwei Vorwerke: Pramsdorf im Westen des Dorfes, als `Prodensdunk` ebenfalls 1375 erstmalig schriftlich als selbständiger Ort mit elf Hufen erwähnt, war nach dem Dreißigjährigen Krieg `wüst`, wurde jedoch wieder besiedelt und erreichte mit 47 Einwohnern im Jahre 1858 die bisher größte Einwohnerzahl. Das Vorwerk Theresenhof nördlich vom Dorf wurde erst 1841 angelegt und nach einer Tochter des damaligen Gutsbesitzers Berend benannt. 1930 war ein Teil des Gutslandes neben der Gemarkung Rangsdorf verkauft und parzelliert worden. Hier entstand die Siedlung Groß Machnow (Neu Machnow). Die auf dem Gebiet liegende Ziegelei stellte die Tätigkeit ein, die Tongrube füllte sich und wurde der Nymphensee. 
Nach 1648 war die Bevölkerung im Ort, wie überall in Brandenburg, als Folge der langen Kriegswirren stark dezimiert. So waren von 32 Kossätenstellen 1624, 1652 nur noch 18 besetzt. Bis ins 19. Jahrhundert wuchs Groß Machnow dann langsam wieder. Durch die Siedlung Neu Machnow stieg die Einwohnerzahl sprunghaft an. Kirche und Staat waren getrennt, die Gutsherrschaft hatte keinerlei administrative Funktion mehr. In dieser Zeit wurden zahlreiche Einrichtungen gebaut, unter anderem ein Gemeindebüro in der Winterfeldallee und die Schule in der Großmachnower Straße. Am 1.April 1939 wurde Neu Machnow nach Rangsdorf eingemeindet, wodurch das bis in die 20er Jahre unbedeutende Fischerdorf zum dominierenden Ort wurde. 
Nach dem 2. Weltkrieg kamen auch nach Groß Machnow zahlreiche Flüchtlinge und so stieg die Einwohnerzahl wieder. Das für die Wirtschaft im Ort dominierende Gut wurde nicht in der Bodenreform verteilt, sondern als Versorgungsgut der Russischen Streitkräfte genutzt. Zur DDR Zeit prägte die Landwirtschaft mit einer Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaft (LPG) und einem Volkseigenen Gut (VEG) das Gesicht des Dorfes. 
Im Sommer 1990 wurden erste größere Betriebe an der Mittenwalder Straße angesiedelt.

In den letzten Jahren entstanden auf der Gemarkung mehrere Gewerbegebiete, ein großes Einkaufszentrum und neue Wohnanlagen. 

Zeittafel

1375

Die 1. genaue Nachricht über „MAGNA MACHENOW“ verdanken wir dem Landbuch Kaiser Karl IV. aus dem Jahre 1375.

Es war der größte Ort des Teltow mit 80 Hufen ( 1Hufe – 20 bis 50 Morgen )

und 32 Kossäten ( Besitzer einer Kate ).

Verschiedene Bürger bezogen Hebungen. Den größten Anteil erhielten

1375  HONOW zu Berlin

15.JH

Ritter von QUITZOW und Gericke von ARNIM sind Besitzer

fällt dann dem Landesherren Burggraf FRIEDRICH anheim (1. Hohenzoller in der Mark )

1414

Heinz DONNER kauft das Gut für 200 Schock böhmische Groschen

1443

wird es an Ulrich ZEUSCHEL, dem Küchenmeister des Kurfürsten Friedrich II. verkauft ( Gut Mahlow kommt dazu )

Der Sohn Ludwig ZEUSCHEL wird nach dem Tod des Vaters Besitzer

Nach dessen Tod erhält der Kurfürst das Gut zurück

1482

wird das Gut für 32 000 rheinische Gulden verpfändet an

Georg und Thomas QUAST.

1494

bekommt für treue Dienste Georg FLANZ das Gut als Lehnbesitz.

Es bleibt im Besitz der Familie FLANZ ( während des 30-jährigen Krieges)

17.JH

Die gutsherrlichen Anteile gelangen in den Besitz derer von

BURGSDORFF / BORGSDORF

1691

Das Gut kommt in die Hände des Obristen Otto von

SCHLABRENDORFF

1720

fallen die Besitzungen an Ewald Bogislaw SCHLABRENDORFF,

den Vetter des Verstorbenen.

1724

kauft es König FRIEDRICH WILHELM  I. für 52 000 Taler

1807/10 

erhält Jean Simeon COSTE das Gut für geschuldete 170 000 Taler

1834

erben nach dessen Tod die Geschwister COSTE, GERN und GROPIUS den Gutsbesitz

1836

erfolgt der Verkauf des Gutes für 140 000 Taler an Kommerzienrat Louis Bacher BEREND / BEEREND

1838

wird es an Sohn Hermann Ludwig verschenkt

1853

ist die Veräußerung des Gutes an den Partikulär von OVEN.

1855

stirbt der Besitzer. Durch die neue Ehe seiner Witwe hat Freiherr von ERHARD das Gut im Besitz.

1876

erwirbt es Rittmeister von WINTERFELD- FELHOW

1883

erbt es dessen Tochter ALICE nach seinem Tod. Sie heiratet Major von SCHIERSTAEDT- DAHLEN.

1905

stirbt Alice. Von nun an bleibt es im Besitz der Familie SCHIERSTAEDT- DAHLEN.

1945

Eine Einheit der ROTEN ARMEE bewirtschaftet 520 ha des Rittergutes Groß Machnow mit dem Ziel der Versorgung der stationierten Truppen.

Auch die Verwaltung der Berliner Stadtgüter hat 225 ha zur Bewirtschaftung.

1951

wird das gut mit seinen Ländereien in der sozialistischen DDR in Volkseigentum überführt. Anfang der 50er Jahre entsteht das VEG Groß Machnow

1990

Die Treuhand verwaltet das Gut mit etwa 700 ha.

1996

kauft die Prinz zu Hohenlohe und Banghard GmbH & Co Vermittlungs-KG das Gut. Bebauungsvorschläge liegen vor.

Die Gemeinde hat eigene Architekten für die Planung herangezogen.

2006 Die Ciema Bau- und Handelsgesellschaft kauft das gesamte Gut. Der Umbau eines Teils des Gutsgebäudes zur Grundschule hat begonnen. Das ist der Auftakt für die Rekonstruktion des gesamten Gutsensembles. .......
2011 ........Die Rekonstruktion ist fast abgeschlossen.
 (weitere Informationen folgen demnächst.......)

Die Kirche von Groß Machnow: Sie weist in großen Teilen noch ihre ursprüngliche Baustruktur auf; Apsis, eingezogener Chor, Schiff und Querwestturm. Die Um- und Anbauten halten sich in Grenzen, obwohl durch den Einbau der korbbogigen Fenster in der Barockzeit das ursprüngliche Mauergefüge im Bereich des Schiffes und Chores empfindlich gestört ist. Die Mauerwerksausführung macht im Großen und Ganzen einen sehr sorgfältigen Eindruck. Sie ist besonders in Schiff und Turm "nur" pseudoisodom, d.h. die Lagenhöhe und die Größe der Quader wechseln relativ häufig.

Lage: Die Kirche liegt im ummauerten ehemaligen Friedhof am Nordende des Dorfangers.

Baustruktur: Die Kirche ist ein vierteiliger Feldsteinbau mit Querwestturm in Schiffsbreite (6,70 x 10,80 m), relativ kurzem Schiff (10,80 x 10,80 m), eingezogenem Rechteckchor (8,05 m x 8,10 m; innen 6,10 x 7 m) und flacher Kreisbogenapsis. An der südlichen Chorseite befindet sich eine (später angebaute) Herrschaftsloge, die im Osten über die Chorlänge vorspringt. Die Kirche hat eine magnetische Abweichung von der Ost-West-Richtung von 5° nach Südosten (Oktober 1999).

Mauerwerksausführung: Die Mauerwerksausführung macht einen sehr sorgfältigen Eindruck. Das Lagengefüge ist in der Apsis nahezu isodom, in Schiff und Turm pseudoisodom. Die Quader sind außen sorgfältig behauen, innerhalb der einzelnen Lagen gleichgroß und wenig ausgefugt. Im unteren Teil sind die Quader relativ klein (ca. 20/21 cm Lagenhöhe) und isodom. Etwa in 3 m Höhe ist eine auffällige Lage mit wesentlich größeren und höheren Quadern zu erkennen, die aber nur im Turm und Schiff vorkommt. Auch über dieser Lage sind die Quader größer als im unteren Bereich, nun aber nicht mehr so gleichförmig hoch. Der Ostgiebel des Schiffes ist aus Backstein gemauert. Am Südportal ist die Mauer 125 cm dick. Die Turmwände sind dicker als die Schiffswände; am Westportal wurden 175 cm Mauerstärke gemessen.

Im Turm erkennt man eine Änderung in der Mauerwerksausführung etwa ab Traufhöhe Schiff. Darüber folgt noch ein Bereich mit relativ kleinen Quadern und guter Mauerwerksausführung. Dann löst sich die Lagigkeit auf, und es wurden nur noch grobe, nur außen behauene und sehr ungleichgroße Feldsteine benutzt. Die Ecken des Turms sind in diesem Bereich aus Ziegeln gemauert.

Der Anbau (Herrschaftsloge) auf der Südseite zeigt eine unregelmäßige Mauerung. Die Steine sind teils Ziegel, teils Feldsteine, und sie sind ungleichgroß und nicht lagig gemauert. Auf der Westseite des Anbaus sieht man deutlich, dass der Anbau einmal aufgestockt worden ist. Die erste Phase war überwiegend in Feldstein, der aufgestockte Bereich überwiegend in Backstein (Format 27,5 x 12 x 8 cm) ausgeführt. Der untere Teil ist an den Ecken ebenfalls mit Backsteinen gemauert. Diese zeigen aber das Format 28-29 x 14 x 8.5-9. Diese Ziegel haben typische Quetschfalten, die beim Einpressen des feuchten Tons in die Form entstanden sind.

Die kleine Fläche Ostwand des Schiffes auf der Nordseite der Kirche ist stark mit Efeu bewachsen. Darunter sind relativ neue Steine, die mit dünner Mörtelfuge gemauert sind (Ausbesserung von Kriegsschäden?).

Die Apsis wurde wahrscheinlich um eine Steinlage erhöht. Die durchschnittliche Höhe der Quaderlagen beträgt hier 23/24 cm.

Mörtel und Putze: Partiell sind noch die Reste eines Fugenputzes mit Doppelritzung zu erkennen. Die in der Wand sichtbaren Spuren des heute abgerissenen Anbaus auf der Nordseite des Chores (mit quergestelltem Satteldach) liegen deutlich über dem älteren Fugenputz. Die Herrschaftsloge auf der Südseite war offensichtlich einmal ganz verputzt.

Portale und Fenster: Die Nordseite weist drei korbbogige, mit Backsteinen gemauerte Fenster auf; die Fensterumrahmungen sind z.T. verputzt. Ein kleineres korbbogiges Fenster sitzt unten zwischen westlichem Fenster und mittlerem Fenster in einem zugesetzten Portal, von dem nur die unteren Gewändesteine zu erkennen sind. Der Chor hat zwei korbbogige Fenster. Zwei eindeutig nachträglich herausgebrochene Öffnungen auf Fußbodenniveau wurden später wieder mit Ziegeln vermauert. Sie sind wohl die inneren Zugänge zu dem 1941 noch erwähnten rechteckigen Gruftanbau. Der mit Backsteinen gemauerte Bogen einer Tür ist deutlich erkennbar. Das Gewände hat das Ziegelformat 27 x 13,5 x 8 cm. Zugesetzt sind die Öffnungen mit Industrieziegeln.

Die Apsis hat zwei korbbogige, sehr breite Fenster und ein vermauertes, rundbogiges Fenster (in vermutlicher Originalgröße) zwischen diesen beiden Fenstern. Der Bogen des zugesetzten Fensters besteht aus flachen und nicht besonders sorgfältig behauenen Steinen, deren Längsachse senkrecht auf dem Bogen steht. Die Maße sind: ca. 70 cm breit und 175 cm hoch; dies ergibt ein Höhen-/Breitenverhältnis von 2.5 : 1. Der Ostgiebel des Chores weist ein kreuzförmiges Fenster auf.

Die Südseite des Schiffes hat ein rundbogiges Mittelportal, das ca. 170 cm hoch und 90 cm breit ist. Innen ist es segmentbogig und hat noch einen Verschlußbalken, der in eine seitliche Vertiefung geschoben werden kann. Die Bogensteine sind im Durchschnitt etwa 30 cm stark und ca. 22 cm tief. Die Rand- und Bogensteine sind ungleich stark und nicht besonders sorgfältig behauen. Weiter sind drei korbbogige Fenster (wie auf der Nordseite) vorhanden sowie ein kleines korbbogiges Fenster, das links unterhalb des westlichen Fensters sitzt.

Das Westportal ist gedrückt-spitzbogig und zweimal abgetreppt (jeweils ca. 24 cm dick). Der Spitzbogen endet im obersten Leibungsstein. Die Rand- und Bogensteine sind sorgfältig behauen. Die Breite der Gewändesteine des inneren Bogen beträgt ca. 15 cm Breite, die des mittleren Bogen 17 cm und die des äußeren Bogen ca. 25 cm (jeweils von außen gesehen). Von innen ist das Portal segmentbogig und der äußere Spitzbogen schließt sich unter dem Segmentbogen. Es kann noch mit einem Balken ("Wehrbalken") verschlossen werden, der in eine seitliche röhrenförmige Vertiefung in der Wand geschoben werden kann. Knapp über dem Portal befindet sich ein sehr großes, rundbogiges Fenster, dessen untere Hälfte mit Backsteinen zugesetzt ist. Die Bogen- und Gewändesteine sind sehr sorgfältig behauen. Dieses Fenster ist möglicherweise nachträglich eingesetzt worden. Das zeigen die Reparaturspuren unterhalb des Fensters im Mauerwerk. Alternativ wäre ev. auch an einen Eingang in den Turm zu denken; eine Holztreppe müsste zu diesem Portal geführt haben. Die Größe des Bogens bzw. der Bogensteine ist jedenfalls für ein Fenster sehr ungewöhnlich.

Die angebaute Herrschaftsloge weist auf der Ostseite ein korbbogiges Fenster auf, die Südseite hat zwei derartige Fenster und eine flachbogige Tür.

Innenbögen: Der Verbindungsbogen zwischen Turm und Schiff ist spitzbogig. Der Triumphbogen ist beseitigt worden. Die Ecke des Chors zum Schiff hin sind abgeschrägt. Der rundbogige Apsisbogen ist sehr hoch und reicht an die Decke heran. Er macht schon einen leicht gedrückt-spitzbogigen Eindruck.

Turm: Der Turm ist ein massiver Querwestturm. Er hat drei Schallfenster auf Ost- und Westseite und je ein Schallfenster auf Nord- und Südseite.

Dächer: Schiff und Chor weisen gegeneinander abgetreppte Satteldächer auf, die mit Biberschwanzziegeln gedeckt sind; die Apsis hat ein Halbkegeldach. Auf der Südseite des Schiffsdaches ist eine Fledermausgaube. Die Herrschaftsloge besitzt ein senkrecht zur Chor/Schiff-Achse stehendes Walmdach, der Turm ein quer zur Kirchenachse stehendes abgewalmtes Satteldach. Die noch 1941 eingezeichnete Laterne mit Schweifhaube auf dem Turmdach ist in der Zwischenzeit abgenommen worden.

Decke: Chor und Schiff haben eine einheitliche Flachdecke mit unten liegenden, längs verlaufenden Balken.

Innenausstattung: Barocke Kanzel, Hufeisenempore mit z.T. bemalten Kassetten. Patronatsloge auf der Südseite des Chors. An den Seitenwände sind einige Weihekreuze freigelegt worden. Über der Kanzel befindet sich ein wohl barockes Wandgemälde.
Epitaph an der Nordwand des Chors. In der südlichen Apsisseite befindet sich eine rechteckige Nische, deren Funktion unklar ist.

Rekonstruktion und vermutete Baugeschichte:

Mitte 13. Jahrhundert: Bau von Chor und Apsis. Der Chor hatte zwei romanische Fenster, die Apsis die üblichen drei Fenster. Auf der Nordseite des Chores war das Priesterportal. Zwischen Chor und Schiff ist auf dem kleinen Stück Ostwand des Schiffes auf der Nordseite der Kirche eine Baunaht zu beobachten. Die 4-Pfarrhufen-Dotierung der Kirche deutet auf eine Stiftung der Pfarre nach 1237/8 (Merseburger Vergleich). Die Kirche dürfte damit erst um die Mitte des 13. Jahrhunderts begonnen worden sein. Auch die Proportionen des (originalen) Apsisfensters (2,5 : 1) und die Ausführung des Bogens dieses Fensters deuten eher auf die Mitte des 13. Jahrhunderts hin. Der Verbindungsbogen zwischen Turm und Schiff ist ein typischer frühgotischer Verbindungsbogen.

Etwa 3. Viertel 13. Jahrhundert: Bau von Schiff und Querwestturm. Das Schiff hatte ein Nord- und Südportal, der Turm ein zweimal abgetrepptes gedrückt-spitzbogiges Westportal. Etwas westlich neben dem Südportal findet sich ein außen quadratischer Ornamentstein. Er ist bereits stark verwittert, sodass das eigentliche Ornament nicht mehr zu deuten ist. Es ist kreisförmig.

14./15. Jahrhundert: Hochmauern des Turmes in zwei Phasen. 

15. Jahrhundert: Anbau der südlichen Patronatsloge und der Gruft. Dieser Anbau war allerdings wesentlich flacher (Wandhöhe ca. 2.40 m über Grund), hatte ein nach Süden abfallendes Pultdach und war nach Osten vermutlich abgewalmt. Dieser Bau hatte bereits ein Mischmauerwerk aus großformatigen Ziegeln und Feldsteinen. Das Ziegelformat entspricht in der Länge und der Höhe gotischen und spätgotischen Ziegelformaten. Auffallend an diesem Anbau ist auch die Mauerstärke von ca. 80 cm. Ein "barocker" Anbau würde wohl kaum diese Mauerstärke aufweisen. Es ist denkbar, dass dieser Anbau zeitgleich mit dem Obergeschoss des Turmes ist. Dort konnte das Ziegelformat allerdings noch nicht erfasst werden.

"Barock": Einbruch von korbbogigen Fenstern. Erhöhung der südlichen Herrschaftsloge, vermutlich wurde sie bereits damals mit einem querstehenden Dach ( abgewalmt ?) versehen.

Nachgewiesene Umbauten und Instandsetzungen:

1699: "Turmerneuerung" und Altar. Vielleicht auch um diese Zeit auch die Erhöhung der Herrschaftsloge.

1827: Erneuerung des ursprünglich wohl rechteckigen nördlichen Gruftanbaus zu einer quadratischen Form.

1950: Es wurde die Gruft abgerissen.

1980: Restaurierung des Wandgrabmales des Otto Freiherrn v. Schlabrendorf (1650 - 1721), Entdeckung eines alten Wandgemäldes über der Kanzel.

Vergleiche: Die Kirche von Groß Machnow ist am ehesten mit den Kirchenbauten in Güterfelde (jetzt nur noch zweiteilig) und Waltersdorf sowie bedingt Schönefeld zu vergleichen. Allerdings unterscheidet sich Schönefeld durch die kleineren absoluten Maße und die stärker ausgewölbte Apsis. Der Turm wurde wohl etwas später in den westlichen Teil des Schiffes eingebaut. Der Chor ist wie in Groß Machnow bereits längsrechteckig. Die Kirche in Waltersdorf ist in den absoluten Maßen eher vergleichbar, hat aber einen nahezu rechteckigen Chor und die Apsis ist ebenfalls stärker gewölbt. Die ursprüngliche Kirche in Güterfelde war kleiner und hatte einen nahezu quadratischen Chor.

Bemerkungen: In Groß Machnow lässt sich aufgrund des Lagengefüges relativ eindeutig nachweisen, dass Chor und Apsis zeitgleich hochgezogen wurden. Schiff und Turmbereich wurden jedoch in einem späteren Bauabschnitt gemauert, möglicherweise sogar mit einer Bauunterbrechung . In etwa 3 m Höhe lässt sich in den Mauern von Turm und Schiff eine Lage mit größeren Quadern beobachten, die jedoch nicht in Chor und Apsis vorhanden ist. Unter dieser Lage mit großen Quadern ist z.T. noch eine Ausgleichsschicht eingearbeitet.
Das "Kreisinventar" und der "Kunstführer durch die DDR" sagen zum Baubeginn der Kirche "13. Jahrhundert", Pomplun (1960) und die "Bau- und Kunstdenkmale in der DDR" präzisieren den Baubeginn sogar auf "1. Hälfte des 13. Jahrhunderts".

 

Literatur: Fidicin (1857): Die Territorien der Mark Brandenburg Band I, S.70, Spatz (1912): Unser Teltow, Band 3, S.8-10, Schultze (1940): Das Landbuch der Mark Brandenburg von 1375, S.102/3, Kubach & Seeger (1941): Die Bau- und Kunstdenkmäler der Provinz Mark Brandenburg, Kreis Teltow, S.91-4, Pomplun (1960): Der mittelalterliche Dorfkirchenbau auf dem Teltow, S.22/3, Piltz (1975): Kunstführer durch die DDR, S.146/7, Enders & Beck (1976): Historisches Ortslexikon für Brandenburg, Teil IV Teltow, S.169-172, Die Bau- und Kunstdenkmale in der DDR (1978), S.450/1, Handbuch der Deutschen Kunstdenkmäler Bezirke Berlin/DDR und Potsdam ("Dehio") (1983), S.217-9, Waack (1993): Zur Geschichte des Kirchenbaus im Kreis Zossen, S.137/8.


Turm von der Nordwestseite


Die Kirche von der Südseite


Apsis mit zugesetztem mittlerem Fenster


Übergang von Turm und Schiff auf der Südseite der Kirche. Deutlich ist die Lage etwas größerer Quader auf halber Höhe des Schiffes zu erkennen. Diese Schicht ist nur in Schiff und Turm zu verfolgen. Andeutungsweise ist auf der Westseite des Anbaus die Dachschräge eines ursprünglichen Satteldaches zu erkennen, bevor der Anbau aufgestockt wurde und mit einem querstehenden Walmdach versehen wurde.


Ornamentstein auf der Südseite der Kirche


 kunstvolles Denkmal "Freiherr Otto von Schlabrendorff" im inneren der Kirche


Grundriß (nach Kubach & Seeger, 1941)

Ansicht der Westseite (nach Kubach & Seeger, 1941) 


Die Kirche um 1930


Quelle: Publikation von Theo Engeser und Konstanze Stehr

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